Stadtteilfeuerwehren bei Übung Hand in Hand

Übung(dor) Teils ohrenbetäubender Lärm durch extreme Knallgeräusche, roter Feuerschein hinter den Fensterscheiben eines Mehrfamilien-Wohnhauses, sich schnell ausbreitender Brandrauch und um Hilfe rufende Menschen auf einem Balkon. Dramatisch stellte sich das Szenario für die umstehenden Schaulustigen und die eintreffenden Einsatzkräfte der Feuerwehr dar.

Bei einer gemeinsamen Übung der Freiwilligen Feuerwehren Umstadt, Dorndiel und Raibach am Donnerstagabend lautete die Alarmierung „Bestätigtes Feuer in einem Mehrfamilienhaus, mehrere Personen vermisst!“

Als Verantwortlicher vorbereitet und organisiert hatte die Übung Dennis Baron von der Feuerwehr Umstadt. Er erläuterte, wie er sich den nicht unkomplizierten und mit einigen Überraschungen versehenen Ablauf vorstellte. Angenommen wurde ein Keller- und ein Zimmerbrand in einem Mehrfamilienhaus, Einsatzort waren Gelände und Gebäude „Im kühlen Grund 3“. Der Zimmerbrand im zweiten Obergeschoss hatte sich über das Dach bereits auf weitere Gebäudeteile ausgebreitet, Brandrauch hatte große Teile des Gebäudes eingenommen. Im Haus wurden noch mehrere Personen vermisst und mussten durch die alarmierten Einsatzkräfte der Stadtteilwehren gerettet werden.

Teils ohrenbetäubende Knallkörper wurden immer wieder, natürlich ohne jegliche Vorwarnung, gezündet. Durch solche und weitere pyrotechnische Effekte sowie Brandgeräusche sollte die Übung für die Einsatzkräfte möglichst realistisch dargestellt werden.

Um 19.50 Uhr bog das erste Einsatzfahrzeug mit Sondersignal um die Ecke, das ELW (Einsatzleitwagen). Einen Überblick über die Lage verschaffen, Helfer verteilen, all das schien enorm lange zu dauern. Umstehende meinten schon, im Ernstfall wären die Verletzten wohl nicht mehr am Leben. Umsichtig, vorsichtig und mit Bedacht handelten alle Einsatzkräfte und blieben ruhig. Genau das aber, so die Fachleute, ist ein großes Plus.
Flugs waren zwölf Feuerwehrleute im brennenden Haus, wo sich noch ein besonderer Notfall ereignen sollte: Was zu tun ist, wenn ein eigener Atemschutzmann bewusstlos zusammenbricht, übten seine Kameraden gleich mit. „Mayday, Mayday, Mayday“, wurde da gefunkt. „Als alle vermissten Personen gerettet waren“, so Dennis Baron, „haben wir ein Atemschutznotfalltraining daraus gemacht.“

Sämtliche Übungsteilnehmer waren schwer gefordert, denn es mussten einige weitere Voraussetzungen erfüllt werden: So sollte unter anderem Wasser nicht nur aus Hydranten, sondern auch aus offenem Gewässer entnommen werden, dem parallel verlaufenden Ohlebach. Ein Zugang zum Gebäude musste über ein Fenster, welches aufgehebelt werden sollte, erfolgen, ein weiterer Zugang über eine gewaltsam zu öffnende Eingangstür. Hier wurde mit der Rettungssäge gearbeitet oder sich mit Axt und Beil Zutritt verschafft. Zum Einsatz kam unter anderem auch die Drehleiter, über die Personen gerettet werden konnten. Insgesamt waren drei menschliche Mimen und zwei Dummies, also insgesamt fünf Personen „im Einsatz“, die gerettet werden mussten. Mindestens neun Rauchgeneratoren, so Baron, wurden verwendet.

Auf zirka 1000 Metern Nutzfläche den Überblick zu behalten und an verschiedenen Szenarien und Schauplätzen gleichzeitig besonnen zu handeln, richtige Entscheidungen zu treffen und als Team zu agieren, das schien nicht immer einfach und war doch als gelungen zu bewerten. In solchen Situationen, so stellte sich schnell heraus, würden relativ bald weitere Einheiten im Umkreis alarmiert. „Wir allein könnten das gar nicht abarbeiten“, sagte Baron. „Das war ein großes Objekt für uns. Und man muss bedenken, hier entsteht sogar ein Gebäude mit 28 Wohneinheiten.“

Bis etwa 21.30 Uhr hieß es unter vollem Einsatz zu arbeiten, dann war auch diese Gemeinschaftsübung beendet. Die Bilanz des Organisators fiel positiv aus: „Wir sind sehr zufrieden, wie geordnet die Übung abgelaufen ist. Es ist keine Hektik entstanden, keine Ausfälle – bis auf die, die wir eingearbeitet hatten.“

Zugführer Andreas Karn, als erste Kraft verantwortlich, musste vieles entscheiden, hatte alles im Blick, zwei Abschnitte gebildet und dafür zwei Leiter ernannt. „Insgesamt waren gut 45 Feuerwehrleute und acht Fahrzeuge im Einsatz“, so Karn. „Natürlich gibt‘s immer Sachen, die man während der Übung sieht, was man besser hätte machen können“, fügte Baron an. Dafür aber ist schließlich eine Übung da. Zugführer Karn: „Hier kommt man an seine Grenzen, und nur an diesem Punkt lernt man auch, wo man sich verbessern kann.“

Quelle: Text & Fotos Dorothee Dorschel